Das Postwesen von Lunzenau - eine 150 jährige Geschichte

Die Post von Lunzenau

Über die Geschichte der Post wurde in der Vergangenheit öfter geschrieben.
Meist endeten die Berichte noch vor 1945.
Auch dieser Bericht enthält, um zu erinnern, nur das Nötigste:

Ursprünglich wird eine Zeit um 1828 genannt, als in einem Gesuch an das „Königlich-Sächsische Oberpostamt“ in Leipzig die Bitte angetragen wurde, die Botenpost, welche zwischen Penig und Rochlitz verkehrt, auch über Lunzenau zu führen.

 Wilhelm Haß, ein Zeugfabrikant, und Johann Gottlob Ludewig, ein Handelsmann, hatten als Bittsteller in dieser Sache Befürworter, aber auch wortgewaltige Gegner in dieser Angelegenheit. Jahre vergingen bis sich langsam etwas entwickelte.

Am 1. August  1856 war es dann soweit und Lunzenau hatte die erste Postexpedition in der Friedhofstraße 266.
Das somit erstmalig genannte Amt war in der heutigen Friedensstraße angesiedelt und als der erste Postverwalter ist der Apotheker Hellmut Petzold genannt.
Petzold gab 1861 sein Amt auf. Nachfolger wird der Ratmann Friedrich Adolph Kretschmar, er führte die Geschäfte 14 ½ Jahre weiter.Er hatte zeitweilig drei Briefträger beschäftigt.

Genannt sei Karl Zinsmann, dieser besorgte die Post nach Penig. Zweiter war der Bürger und Schneidermeister Berthold. Er war für Wechselburg zuständig. Als Dritter wird Robert Unger für die Postversorgung nach Ober- und Niederelsdorf verzeichnet.

Das Haupttransportmittel für Pakete war derzeit der Schubkarren.

Der Anschluss der Stadt an den Reiseverkehr erfolgte am 14. Juni 1867.

Als die erste Fahrpost von den Berthelsdorfer Höhen ihr Kommen mit dem Posthorn ankündigte, war ein großer Empfang angesagt. Diese Postfahrten erfolgten bis 1871 täglich. Dann wird der Postverkehr zur neu eröffneten Eisenbahnlinie auf die Station Cossen umgeleitet. Als Kretschmar in Ruhestand versetzt wurde übernahm ab 1. Februar 1876 Gustav Eduard Ruppert die Postverwalterstelle und führte die Geschäfte weiter fort. Im weiteren Verlauf wurde das Postamt zur weiteren Umgestaltung in das Gebäude des Tischlermeisters Julius Höhle als das Vorläuferhaus des heutigen Rathauses umgesiedelt.

Postverwalter ist zu dieser Zeit um 1879 Karl August Otto. Durch Anmietung der im selben Hause gelegenen Manufaktur sollte man sich durch Umbau die Unterbringung des Postamtes genehmig machen. Dieses wurde auch getan.

Dem zunehmenden postalischen Verkehr konnten auch ständige Umbauten und Veränderungen im Hause nicht mehr standhalten.

Nach Beschluss ein neues Postamt zu errichten und Finden eines geeigneten Bauplatzes an der Kirche und am Marktplatz wurde 1901 dieses seiner Bestimmung übergeben.

Der Erbauer und gleichzeitige Eigentümer war der Baumeister Emil Pfefferkorn. Die Postdirektion mietete die Räume für das Amt.

Postverwalter im neuen Postamt in der Kirchgasse ist zu dieser Zeit Oskar Böhme. Im Jahr 1907 erwirbt der Privatmann Gustav Heinig aus Penig das Postgebäude. Durch die Einführung der „Telefonverbindung im Selbstwählverfahren“, welches die bisherige Handvermittlung ablöst, musste eine Räumlichkeit zur Unterbringung der Technik geschaffen werden. Um die Baumaßnahmen voranzutreiben wurde ein weiterer Eigentumswechsel erforderlich.

Nach zähen Verhandlungen der Stadt Lunzenau mit Heinig, erfolgte der Kauf des Postgebäudes durch die Stadt. Die neu geschaffenen Räume mit der Technik der Selbstwählstation werden im März 1931 in feierlicher Zusammenkunft übergeben und in Betrieb genommen. Mittlerweile ist für die Post der Postmeister Gert zuständig.

Infolge der weiteren Zunahme des Brief- und Paketverkehrs, konnte die Bewältigung dieser Mengen nicht mehr gewährleistet werden.

Die Beförderung der Postsachen erfolgte damals bis 1924 mit Handwagen und Schubkarren, und in weiterer Zeit mit dem Pferdefuhrwerk. Da es nicht nur allein um die Beförderung der Pakete von und zur Bahnpost ging, sondern auch um die Zustellung in der Stadt, wurde ab 12. Juni 1939 ein neuer Postlandkraftwagen in Dienst gestellt.

 Diesem Entschluss gingen ebenfalls längere, über mehrere Jahre geführte Verhandlungen voraus, auch in der dazu parallel verlaufenden Schaffung einer Unterstellung für den neuen Postlandkraftwagen.

Am 24. Oktober 1939 wurde der Erweiterungsbau für die Unterstellung des Kraftwagens übergeben. Als neuer Postverwalter wird Postverwalter Döring genannt.

Mittlerweile wird alles überlebend, das Urgestein der Post, Postangestellter Gustav Adolf Schlimper genannt. Ihm wird vieles nachgesagt, besonders seine Verbundenheit mit der Post aber auch seine Freundlichkeit im privaten Bereich.(Er war bis 1952 noch im Alter von 80 Jahren mit der Post verbunden).

 Ein im Jahr 1937 am Markt aufgestelltes Fernsprechhäuschen hat sich äußerlich oft gewandelt, steht aber heute noch am selben Platz am Markt.

 Die folgenden Kriegsjahre gingen nicht spurlos am Post- und Fernsprechwesen vorbei. Besonders in den großen Zentren brachte Zerstörung den Post- und Fernsprechverkehr zum Erliegen. Es fehlte an Materialien und Ersatzteilen.

Für Lunzenau ging die Sache noch gut ab. Nach Kriegsende 1945, erfolgte die Fortführung des Post- und Fernmeldewesens in Lunzenau und eine gewisse Zerstörung trat erst ein, als die Sieger die Macht ausübten. Reparationsabführungen und administrative Handlungen wirkten sich nicht fördernd für die Weiterentwicklung aus.

Während der postalische Verkehr sich stabilisiert, fehlt besonders im Fernsprechwesen die Weiterentwicklung. Lunzenau wurde in den Fernsprechanschlüssen stark dezimiert und durch falsche Entscheidung in der Kontingentzuweisung kam der Fernsprechverkehr fast zum Erliegen. Die Auswirkungen betrafen besonders die Leitstellen der Verwaltungen, diese versuchten durch Fahrradkuriere Anweisungen und Nachrichten zu überbringen.

Mit der Wende und dem Zusammenschluss der beiden Deutschen Staaten wurde die wiedervereinte Post den anderen Strukturen angepasst. In der Form, wie wir die Post noch kennen, gibt es sie nicht mehr in Lunzenau. Es entstanden Postleitzentren auf neustem Stand. Diese sind für die Verteilung des Postgutes zuständig.

Auch das Fernsprechwesen hat sich gewandelt. So hat jeder die Möglichkeit analog oder digital mit neuester Technik am Fernsprechverkehr teilzunehmen.

Das Lunzenauer Postamt wurde geschlossen und auf Grund vorausgegangener Eigentumsstrukturen des Staates an Privat verkauft.

Für uns in Lunzenau wurde das am Einkaufsmarkt Netto an der Rochlitzer Straße liegende Papier- und Zeitungsgeschäft „Papyrus“ als Postagentur zuteil. Dort wird neben vielen anderen Belangen nebenbei das mit erledigt, was die Aufgabe und das Wesen der „Post“ einmal war.

Von den technischen Möglichkeiten der Zustellung und den Entwicklungen im Fernsprechwesen von heute  hatte zur Zeit der Gründung der ersten Postexpedition vom 1. August 1856 in der alten Friedhofstraße 266 niemand eine Ahnung.

Wir können im Jahr 2006 feststellen, dass dazwischen nunmehr genau 150 Jahre Geschichte vergangen sind.

An ein „Jubiläum 150 Jahre Postwesen in Lunzenau“  hat dabei niemand gedacht.

Anzuerkennen ist die Leistung der Vergangenheit. Für die Zukunft werden andere berichten.

 W.H.

(Auszug aus der zusammengefassten neu erstellten Dokumentation zur Geschichte der Post der Stadt Lunzenau )