Das gewerbliche Leben in Lunzenau während unserer Schulzeit

Bei der Familie Kübler am nordöstlichen Ende von Lunzenau will ich meine Erinnerungen über das gewerbliche Leben und den damit verbundenen Familien während unserer Schulzeit beginnen. Hier am äußersten Ende der Friedensstraße befanden sich die Gärtnerei Mende und die Gärtnerei Müller. An der Ecke August- Bebel-Straße war die Schuhfabrik Meister (später Steyer). Ein paar Häuser weiter hatte Tierarzt Dr. Geyer seine Praxis, daneben das so genannte „Braune Haus“ später Fritz Hage, gefolgt von Terrazzo-Heyer, Tischler Schröter, Kohlen–Walther mit Fuhrgeschäft. Auf der anderen Straßenseite Spediteur Hofmann, der mit seiner alten Lanz und den Pferden Holz in die Firma Kübler und Zellstoff zum Bahnhof fuhr. Auf den Mendelssohnplatz (Anger( hatten Schneidermeister Hälzig, die Stickerei Saupe und der Schuster Korn ihre Werkstatt.

Auf der Friedensstraße war der Bier- und Limonadenvertrieb P. Friedrich später Bier-Heinig, daneben Zigarrenfabrik Barthel, gefolgt von der Tischlerei Kühnert, der Krankenkasse im Hinterhaus Schuster Schröter, dem Lebensmittelgeschäft Heinrich (später Frau Weck), das Lebensmittelgeschäft Dorsch mit Wäschemangel und Taxibetrieb, im Hinterhaus der Hosenschneider F. Ehrlich. Jede Katze, die er erwischte, landete im Kochtopf.

Auf der rechten Seite der Friedensstraße, der Friedhof und die Tischlerei Schulze. Hier befindet sich der Zugang zum Ringgässchen, die Klempnerei Nebel (Nebel-Pfamp) und die Gaststätte „Zum weißen Ross“ mit der Pferdefleischerei Uhlig und oben im Hinterhaus die Sonntagsschule der evangelischen Kirche, gefolgt von der Bäckerei Wüstner, dem Kohlenhändler Götze, sein Sohn Herbert, war später Schulleiter unserer Schule. Weiter geht es mit der Filmbühne „Tivoli“ an der Ecke Friseursalon Krumbiegel. Hier befindet sich der Zugang zur Töpfergasse. Schräg gegenüber vom Kino, wohnte ein Mann (Erich Zella), der uns das Laufen lernte, wenn wir uns an seinem Obst vergriffen haben, daneben Bäcker Meinig, bei ihm gab´s den besten Kuchen von Lunzenau.

An der Ecke der Eisenwarenladen Bönitz, genannt der „Geist“. Das Haus wurde 1986 abgerissen. Anschließend die Drogerie Leni Kohl, diese Frau war schwerhörig und hatte ein Hörrohr, welches sie jeden Kunden an den Mund hielt. Ihr Mann Hans Kohl war der erste Lunzenauer, der im II.Weltkrieg fiel. Daneben befand sich die Tischlerei Frommhold. Hier endet die Friedensstraße.

An der Muldenbrücke befand sich links die Fleischerei Auer, daneben Bäckerei Müller (Brückenbacks) mit einem Hausdurchgang zum Anger, das Schuhgeschäft Körner, die Plätterei Köhler, den Tabakladen Ludwig mit der Schneiderei Werner im Obergeschoß, der Eisenwarenladen Richter mit Schlosser-Werkstatt im Hinterhof (später Haushaltwaren und heute Blumengeschäft Böhme). Im Nachbarhaus Radio-Dietrich.

Auf dem Marktplatz/Ecke Brücke ist die Gaststätte „Muldenschlösschen“, daneben der Nähladen Mathes, die Gaststätte „Sächsischer Hof“ mit Saal (später Kaufhaus) . Weiter der Friseursalon Günther, Uhrmacher Czeka, Schuhbedarf Hentschel, dann das „Café Hans“ und Uhrmacher- und Foto-Spreer. Neben Bauerngut Matthes war der Buchbinderladen der Fam. Jäh, sowie das Rathaus mit Sparkasse und im Obergeschoß Dr. Hellmich.

Gegenüber die Kirche, zu unserer Zeit mit Pfarrer Zeitz und Religionslehrer Merker (der Groschenhamster, denn für jede Religionsstunde musste jeder 10 Pfennige zahlen) als Kantor. Pfarrer Zeitz hat uns 1954 konfirmiert. Hinter der Kirche befindet sich das Feuerwehrdepot, daneben befand sich die Post und gegenüber Bauer Scheubner. In der heutigen Fleischerei Seifert war zu unserer Kinderzeit die Fleischerei Löwe, später Roscher, noch später Panzer. Daneben der Laden von Herrn P. Weck mit seinem zur Weihnachtszeit nickenden Weihnachtsmann im Schaufenster. Das Geschäft im Nachbarhaus war als so genanntes „Hamburger Kaffeelager“ bekannt, im Hinterhaus hatte Tischler Kunze seine Werkstatt. Im Haus der Familie Brettschneider hatte Dr. Henning als Hausarzt und Geburtshelfer seine Praxis. Nebenan im gleichen Haus war der Optiker Heinrich.Im Nachbarhaus verkaufte Familie Freudenberg Porzellan, Glas und Haushaltwaren. Im Hinterhaus neben der Töpfergasse war die Auto-Reparaturwerkstatt Siebert. Im heutigen Schuhgeschäft an der Ecke zur Friedensstrasse war das Geschäft des Ofensetzers Posern. Davor befand sich eine Tankstelle.
Vom Markt gelangt man in die Königstraße, spätere Rooseveltstraße, heute Karl-Marx-Straße, links befand sich der Buchbinder Dietze, späterer Inhaber Mussdorf. Hier erhielten wir unsere Schulbücher und Hefte und alles was man für die Schule braucht. Gleich nebenan die Gaststätte „Zur Börse“, das Hutgeschäft Schlimper, später HO-Fahrzeuge, im Hinterhaus Klempner Illert, daneben Süßwaren Bohne, die Tauschzentrale, später HO-Schuhwaren, heute Blumengeschäft Tartsch. Weiter mit der Fleischerei Killig, das Zigarren und Tabakwaren Ackermann, das Textilgeschäft Günther, die Schmiede Zschage (bis 1956 in Betrieb), die Apotheke, Haushaltwaren Dietze im Hinterhaus der Klempner Meinig und der Lebensmittelladen von Frau Hempel (als „Hempel-Marie“ eines der Lunzenauer Originale), das Haus wurde 1975 abgerissen.
Vom Markt aus auf der rechten Seite befand sich der Friseur Eckert, das Ledergeschäft Hofmann, dann folgte der Gasthof „Zur Sonne“ mit Saal, Kino und Kegelbahn, das spätere Kulturhaus Lunzenau. Das Kino wurde bis mitte der 50-iger Jahre betrieben, 2003 wurde der ganze Komplex weggerissen, jetzt steht dort das neue Sparkassengebäude.

Weiter folgt die Bäckerei Seidel, Kurzwaren und Stoffe Lange, Buchhandlung und Schreibwaren Bilz, die Destille Bommrich, Seifen- Wunderlich und das Schuhgeschäft Löbel, das Bekleidungsgeschäft Keusche, die Mangelstube, Schnittwaren und Briefmarken Otto Vogel, der Friseur Opitz, die Gaststätte „Zum Stern“ und an der Ecke zur Rochlitzer Straße Bäckerei Schöllhammer. Schräg gegenüber auf der Rochlitzer Straße befanden sich der Kolonialwarenladen Kühn und der Zuckerbäcker Reichenbach. Auf der Rochlitzer Straße aufwärts befanden sich
„Milch Richter“ , Bäckerei Modes, Polsterer Ebert und der Zahnarzt Schenk
Zwischen der Rochlitzer Straße und der damaligen Fabrikgasse befanden sich die Bauschlosserei Degenhardt und das Schneidergeschäft Rebl. Davor war bis 1948 die Tankstelle der Fam. Wilhelm Vogel.

Hier beginnt die Altenburger Straße. Rechts an der Ecke befand sich die Drogerie Helmbold, daneben Schreibwaren Ruppert, die Fleischerei Vogler, Bauer Sporbert, Friseur Günther, der Schuhladen Zwicker, die Gaststätte „Burgkeller“ mit Kohlenhandel und Busbetrieb, Kohlenhändler Jordan, Milch und Buttergeschäft Otto, der Friseur Petzold und an der Ecke zur Schulstraße Fahrrad-Welsch, der auch Sonntagnachmittag unsere Fahradschläuche flickte. Weiter die Drogerie Meister, die Arztpraxis Dr. Langowski, das Elektrizitätswerk, der Steinbruch und der Bauernhof A. Pfau, Bäckerei Plaue, die Gaststätte „Zur Linde“, die Mützenfabrik Ernst Kern, Lebensmittelladen Lindner, Kohlenhändler Seidel, die Polsterwerkstatt Zeißler, Bauer Pohlers, die Gärtnerei Dähne, dann folgten die so genannten Armenhäuser von Lunzenau, die Schweinemästerei, die Molkerei Lunzenau (in den 90-iger Jahren abgerissen, heute Plus-Markt), ein Stück weiter das Malergeschäft Ebert.

Auf der linken Seite beginnt die Altenburger Straße mit der Papierfabrik und Möbelstoffweberei Lunzenau. Letztere wurde 2002 abgerissen. Hier befindet sich die Zufahrt zum Voglers Park (später Heinrich-Heine-Park), den Werkshäusern, den Mädchenheim, den Kindergarten und die Gärtnerei Mende. Dort beginnt der Wanderweg nach Rochsburg. Gegenüber dem Parkeingang Ecke Neugasse war das Haus des Kräuter- und Teesammlers Bock, Schorch (der oft mit weißen Leinenanzug und Tropenhelm bekleidet herumlief!). Neben der Papierfabrik befand sich die Sattlerei und Polsterwerkstatt Hermann, im Vorderhaus/Erdgeschoß reparierte H. Rockstroh Heiz- und Küchengeräte später Rundfunk- und Fernsehgeräte. In diesem Haus wurde 1692 „Prinz Lieschen“ geboren. Es folgten Glas- und Porzellanwaren Dietrich und die Gaststätte „Kiatschau“ später „Erholung“.

Das Eckgeschäft Altenburger/Peniger Straße war die Bäckerei Lippold, danach der Speiseeishersteller Fischer mit dem fliegenden Eisverkäufer Burig, Alfred. Weiter Bäckerei Hölig, Lebensmittelladen Rätzer, die Fleischerei Mehner im Hinterhaus Schindler, Lederfabrik Hofmann, das Dachdeckergeschäft Müller, die Gaststätte „Stadt Altenburg“, die Stadtmühle Lunzenau (bis 1962 in Betrieb) und der Altstoffhändler A. Wünsch, dahinter die Mützenfabrik Bruno Kern. Es folgt die Stellmacherei Zschage, Elektro-Krug und Grünwarenladen Pfau. Über den Häusern am Berg war das Bauerngut Hölzel, Max. Diese Familie hatte, so wurde erzählt, einen „Drachen“ der in kalten Winternächten aus dem Schornstein flog. Weiter stadtauswärts Schuster Vahldik, die Schürzenzentrale Harzendorf, die Mangelstube Schmidt, die Mittelmühle (bis1956 in Betrieb), die Turnhalle und das Schützenhaus mit Gustav Amme als Pächter. Dahinter die Autowerkstatt Uhlig. An der Ecke Altenburger Straße/Mühlenweg liegt die Kellermühle (bis 1989 in Betrieb). Danach Tischler Petzold und das Baugeschäft Seidel. Hier in der Zufahrt zum Freibad, lag die Schneidemühle Bauer und auf dem Berg die so genannte „Halunkenburg“. Das Gut hinter dem Bad am Weg nach Arnsdorf wird Zingelmühle genannt.

Auf der Peniger Straße auswärts befand sich die Bäckerei Hermsdorf und die Tischlerei Nietsche später Keppler. Links in der Bachgasse war das Geschäft von Frau Ahnert genannt „Ahnerts Flora“, dann das älteste Haus von Lunzenau das von Familie Böhme bewohnt wurde, heute das „Heimathaus“, dahinter das Milch- und Buttergeschäft Max Richter mit Schleuder. In der Ortschronik wird die Bachgasse als ältester Teil von Lunzenau benannt.

Die Peniger Straße aufwärts war noch die Landmaschinen- und Fahrrad-Reparatur Lindner.

In Hohenkirchen, damals noch selbstständige Gemeinde, befand sich an der Muldenbrücke rechts der Lebensmittelladen Arnold, der Schuster Schuhknecht im gleichen Gebäude, dann der Dachdecker Hermsdorf später Endmann, danach das Gemeindeamt, im Hinterhof Malerbetrieb Börner und Milchgeschäft Engelfinger, sowie an der Ecke nach Berthelsdorf das Geschäft der Konsum-Genossenschaft mit Lebensmittelverkauf, später auch noch Textilien. Gegenüber die Villa Lindemuth später das Altersheim, daneben die Zufahrt zum Bahnhof. Nach dem Bahnübergang mit noch handbetriebenen Schranken befand sich die Ziegelei Breitenstein später Bergmann, dort ist der Zugang zum Blinddarm. Die Cossener Straße auswärts folgte Kohlenhandel Seidel und die Villa Finsterbusch.

Auf der linken Seite nach der Brücke war die Tankstelle Otto (bis 1990 in Betrieb) mit Wäschemangel und Krankentransport, danach Fleischer Krasselt, die Bäckerei Hertel und die Strumpffabrik Lindemuth, Dort geht der Wanderweg nach Göhren ab, an dem sich das Doppel-Bauerngut Mathes/Lüdi befand. In Richtung Cossen folgte noch das Milchgeschäft Günther, kurz vor dem Bahnübergang war der Zugang zur Gärtnerei Böhme. Gegenüber der Finsterbusch-Villa war der Zugang zu deren Sandgrube, von dort ging eine kleine Sandbahn bis zum Cossener Bahnhof.